Chronik

Die Vereinsgründung
Rheingönheim war am 22. September 1900 noch eine selbstständige Gemeinde, als sich 28 Rheingönheimer Bürger im Gasthaus „Zum Löwen“ zur Gründung einer Zimmerstutzen-Gesellschaft versammelten. Initiator dieser Versammlung war der damalige Gemeindesekretär Franz Paul, welcher nach einstimmigem Gründungsbeschluss auch gleich zum 1. Schützenmeister des neuen Vereins gewählt wurde. Man traf sich wöchentlich im Schießlokal und fand besondere Freude an div. Preisschießen, dem Besuch von Schützenfesten, führte gesellige Vergnügungen durch und wuchs so zu einer echten Schützenfamilie zusammen. Mit Kriegsausbruch ruhte das Vereinsleben und konnte nach Kriegsende 1918 wegen Auflagen der Besatzungsmacht nicht wieder aufgenommen werden. Erst am 17. Juli 1930 weist das Protokollbuch wieder Eintragungen auf. Die politischen Ereignisse gingen auch an den Rheingönheimer Schützen nicht spurlos vorüber. 1935 wurde der Verein in den „Deutschen Reichsbund für Leibesübung“ eingegliedert und eine sogenannte „Einheitssatzung“ übern ommen. Der Name wurde in „Schützengesellschaft 1900 e. V. Rheingönheim“ geändert, nachdem außer Zimmerstutzen auch andere Waffenarten Verwendung fanden. Geschossen wurde in jenen Jahren im jeweiligen Vereinslokal und auf dem KK-Stand der „Kyffhäuser-Kameradschaft“ im Sandloch. Zwei Jahre später schlossen sich die beiden noch bestehenden Schützen vereine des Orts, nämlich der Schützenverein 1925 und der Schützenverein „Freischütz“ der Schützengesellschaft 1900 Rheingönheim e. V. an. Die Eingemeindung Rheingönheims erfolgte 1938, nachdem sich Ludwigshafen immer weiter ausgedehnt hatte. Die Mitgliederzahlen bewegten sich damals meist um die Zahl 50 herum. Man begnügte sich in erster Linie mit Schießen im jeweiligen Vereinslokal und dem Austragen von Pokalwettkämpfen mit benachbarten Vereinen.

Bewegte Jahre
Zweimal erfolgte ein bedeutsamer Einschnitt in die Vereinsentwicklung: durch die beiden Weltkriege und ihre Folgezeiten. So ruhte von September 1939 bis November 1951 sowohl der Schießbetrieb als auch das Vereinsleben. Die Protokollbücher weisen für diese Zeit keine Eintragungen auf.

Wiederbeginn nach dem 2. Weltkrieg
Gegen Ende des Jahres 1951 bemühte sich Fritz Leidenberger, ein früheres Vorstandsmitglied, um die Weiterbelebung des Vereins durch die Einberufung einer Mitgliederversammlung. In dieser Versammlung wurde er mit der Vereinsführung beauftragt, die er bis Juni 1954 inne hatte. Man hatte wieder Boden unter die Füße bekommen und wagte sich bereits im nächsten Jahr an eine große Aufgabe: Die Durchführung des Pfälzischen Bundesschießens 1955. Die Führung war inzwischen an Schützenmeister Otto Baumann gewechselt, der mit Hilfe seiner Vorstandschaft dieses erste Bundesschießen nach dem 2. Weltkrieg erfolgreich über die Bühne brachte. Zu dieser Zeit lebten noch 4 Gründungsmitglieder, die zum Teil bei den Festlichkeiten anwesend waren.

Bau einer eigenen Schießanlage
Die gelungene Durchführung des Bundesschießens 1955 und auch der Wechsel in das größere Vereinslokal „Zur Krone“ mit Schießmöglichkeit im Saal brachte neue Mitglieder, so dass man sich 1958/59 mit dem Gedanken trug, eine eigene Schießanlage zu errichten. Ein ehemaliges Bundesbahngelände, das in städtischen Besitz übergegangen war, konnte von der Stadt gepachtet werden. Auf dem Gelände „Am Sandloch“ wurde mit dem Bau eines ca. 20 x 8 Meter großen Schießstandes in Eigenleistung begonnen. Es war eine mühevolle Arbeit, auf einem mit Wasserlöchern, Buschwerk und Schutt übersäten Gelände. Spätestens nach Erstellung des Rohbaues musste festgestellt werden, dass man sich zuviel zugemutet hatte. Die Mitgliederversammlung im Dezember 1959 wählte nach stundenlanger Diskussion eine neue Vorstandschaft. Hans Michaelis als Oberschützenmeister und Albert Neumann als sein Stellvertreter versprachen die Anlage zu vollenden.

Schwere Jahre des Aufbaus
Zunächst wurden 7 Luftgewehrstände im Innenraum geschaffen. Die Mitgliederzahl stieg ständig an, und die ersten sportlichen Erfolge stellten sich ein. Die Anlage wurde zu klein und der Ruf der Schützen nach Erweiterung, vor allem nach Kleinkaliber- und Pistolenständen, war von der Vereinsführung nicht mehr zu überhören So verhandelte man in den nächsten Jahren mit der Stadtverwaltung wegen weiteren Geländeerwerbs. Man fand entsprechendes Verständnis und buddelte und baute nun in den Folgejahren die Anlage in alle Richtungen aus. Die finanziellen Voraussetzungen wurden zum Großteil durch Zuschüsse und Darlehen von Stadt und Sportbund geschaffen. Zuvor im Jahre 1962 hatte man einen Mietvertrag über eine Fläche von ca. 7500 qm mit der Stadt abgeschlossen. Im Frühjahr 1963 zählte der Verein 124 Mitglieder. In diesem Jahr hob die Vereinsleitung die bisher geübte Pflicht auf, dass jeder Neueintretende 2 Bürgen benennen müsse. In der folgenden Periode von etwa einem Jahrzehnt wurde unter der Führung von Hans Michaelis und dem bedingungslosen Einsatz vieler Schützenbrüder an der „Baustelle Schützenhaus“ ständig erweitert. 1969 hatte der Verein 275 Mitglieder. Die Generalversammlung beschloss am 31. Januar 1969 die Umbenennung in „Sportschützengesellschaft Ludwigshafen-Rheingönheim 1900 e. V.“

Weitere Jahre der Entwicklung
Die unter Sequester stehende und von der Stadt verwaltete Schießanlage des ehemaligen Kyffhäuser-Bundes wurde von der Stadtverwaltung im Juni 1970 zur Pacht an die SSG-Rheingönheim freigegeben. Und das Schützenhaus bei dem Umbau…Man verfügte nun über eine Geländefläche von ca. 9000 qm und einen Pachtvertrag für 30 Jahre. Die siebziger Jahre standen im Zeichen weiteren Aufbaus und der sportlichen Entwicklung. Unterstützt durch den „Goldenen Plan“ der Landesregierung wurde das Äußere der Anlage fertiggestellt. Es galt jetzt im Innern die Dinge zu vollenden bzw. zu verschönern und auszubauen. Man errichtete 50 Luftdruckwaffenstände, 40 Pistolenstände, 12 Zimmerstutzenstände (6 können für Luftdruckwaffen auf 10 m umgestellt werden), 12 Kleinkaiiberstände (4 sind durch Umstellen für 100 m KK zu verwenden). Das gesellschaftliche Leben erfuhr eine Aufwertung durch den Ausbau der Aufenthaltsräume die ca. 350 Personen Platz bieten. So konnten glanzvolle Faschingsveranstaltungen und Meisterschaftsfeiern im Vereinsheim stattfinden. Im Jahre 1980 traf die SSG ein harter Schlag. OSM Hans Michaelis verstarb im Alter von nur 68 Jahren. Im Rahmen einer außerordentlichen Generalversammlung musste eine neue Vorstandschaft gewählt werden. Rainer Steuerwald stellte sich als Oberschützenmeister zur Verfügung. Mit der neuen Vorstandschaft war gleichzeitig ein Generationswechsel verbunden.

Mit Vertrauen in die Zukunft
Die nächsten Jahre waren gekennzeichnet durch den systematischen Ausbau und Fertigstellung im Innenbereich. Man begann mit dem Einrichten der Küche, des Geschäftszimmers, dem Ausbau der Toiletten usw. Mit der Wahl von Bernhard Lechner 1985 zum Oberschützenmeister setzte sich das Bestreben fort, die SSG Lu.-Rheingönheim in allen Bereichen eine Spitzenstellung einnehmen zu lassen. Es wurden 48 neue, elektrisch betriebene Zuganlagen für die Druckluftwaffen angeschafft, sowie die Stände insgesamt verbessert und ausgebaut. Das sogenannte „Wolpertsche Anwesen“ musste abgerissen, das Gelände planiert und ein Parkplatz angelegt werden. 1988 wurde die komplette Neugestaltung des Innenraumes vorgenommen, Zentralheizung eingebaut und eine umfangreiche Dachsanierung durchgeführt. Der Name „Baustelle Schützenhaus“ war ein treffender Ausdruck. Ein entscheidender Schritt zur Vereinssicherung gelang am 1. 1. 1990. Mit der Stadt Ludwigshafen konnte ein Erbpachtvertrag für die Dauer von weiteren 60 Jahren abgeschlossen werden.

Sportliche Erfolge
Durch schießsportliche Erfolge der Einzelschützen wie auch der Mannschaften, machte die SSG immer mehr auf sich aufmerksam. 1969 konnten sich die Rheingönheimer zum ersten Mal in die Liste deutscher Meister eintragen. Die Luftpistolenschützen Bischof, Ketterl, Albrecht und Sobotta kehrten als 3. Deutscher Mannschaftsmeister aus München zurück. Die Zahl der Mitglieder stieg 1970 auf 400. Es gab wieder viele Siegerplätze bei allen Meisterschaftskämpfen. Auch die Reihe von Turniersiegen machte unsere Pistolenschützen im südwestdeutschen Raum zu geachteten wie gefürchteten Gegnern. Die Luftgewehrschützen, mehrfach Landesmeister, kämpften mit 3 Mannschaften in der Landesliga. Durch die Übertragung der Deutschen Jugendmeisterschaft fand der Verein seine Würdigung durch den Deutschen Schützenbund. Unter der sachkundigen Anleitung von Übungsleiter Horst Grossarth begann eine Ära von Erfolgen für die Rheingönheimer Jungschützen. 1974 gelang es der Luftpistolenjugend mit den Schützen Helmut Beisel, Tobias Steuerwald, Dieter Bardong und Stefan Burgdörfer mit neuem deutschen Rekord von 1064 Ringen, deutscher Mannschaftsmeister zu werden. Peter Bischof wurde mit 387 Ringen Vizemeister. Die Damenmannschaft mit Rosemarie Steuerwald, Renate Weiß, und Irma Rief belegte den 3. Platz. Außerdem gelang es 1974, die wertvollsten Wanderpreise nach Hause zu bringen. Und zwar den „Rhein-Neckar-Schild“ den „Silbernen Colt“ sowie den „Bogenschützen“ Im Jahr 1975 machten die Schützen aus Rheingönheim, die sich für die „Deutsche“ qualifiziert hatten, erneut von sich reden. Sie holten insgesamt 6 Medaillen und zwar 3 goldene, eine silberne und 2 in Bronze. Diesen einzigartigen Erfolg gelang den Jugendlichen Dieter Bardong (Gold), Stefan Burgdörfer (Silber), zusammen mit Tobias Steuerwald Mannschaftsgold Lupi. Mit der Sportpistole (Altersklasse) errang Bernd Ziegler ebenfalls Gold und gemeinsam mit Johannes Friedrich und Harald Sobotta gab es Mannschaftsbronze. Rang drei erzielte Rainer Steuerwald im Luftgewehr in der Versehrtenklasse. Die SSG hatte sich in einen Schießsportverein der Spitzenklasse gewandelt. Von nun an waren die Rheingönheimer auf allen Siegerlisten zu finden. Die Aufzählung der Erfolge würde ganze Bände füllen.